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Zurück nach Taliwine

Beim Hufschmied
Beim Hufschmied
Heute ist gemütliches Spätaufstehen angesagt. Die Maultiertreiber sind schon früh zum Souk in Assais aufgebrochen, und wir trotten gegen neun Uhr gemütlich mit Hadija und Hassan hinterher. Hadija kommt nur einen Teil des Weges mit, bis zu dem Acker, auf dem sie irgendwelches Grünzeug ernten wird. Hassan begleitet uns bis zum Souk; der Kleine ist (im Gegensatz zu seiner Mutter) ganz schön flott unterwegs auf dem 3km langen Weg. Von allen Seiten her kommen Leute, oft auf Maultieren reitend, zum Souk nach Assais. Die Tiere werden draußen vor dem Dorf auf einemgroßen Platz "geparkt" und man betritt den Souk zu Fuß. Auch hier das typische Bild mit langen Gassen mit Türchen, von denen aus die Händler ihre Waren anbieten. Es gibt auch offene Stände auf einem großen Platz in der Mitte. Angeboten wird wirklich alles, von frischem Obst und Gemüse bis zu Hufeisen und Teegläsern. Nur Frauen sieht man keine — kaufen und verkaufen ist offenbar Männersache. Keine Ahnung, wo die Frauen geblieben sind, die wir außerhalb des Dorfes kommen sahen. Nachdem wir alles einmal gesehen haben, gehen wir wieder nach draußen, wo Mohamed und Mohamed mit den Maultieren warten. Sie müssen zum Hufschmied. Davon gibt es hier auf dem Platz mehrere; die Leute nutzen scheinbar die Gelegenheit. Maultier neu beschlagen, einschließlich Pediküre: 80 Dirham. Als die acht Hufe fertig sind, gehen wir nochmal kurz ins Dorf, um Hassan bei seinem Vater abzugeben, der hier einen kleinen Imbiß-Stand hat, Restaurant, müßte man fast sagen: man kann bei ihm Tee trinken und Tajine essen. Auf dem anschließenden Rückweg nach Tislit darf ich auch mal auf einem Maultier reiten; die Viecher haben zur Zeit nichts zu tragen und daher Platz für Reiter. Es ist allerdings recht unbequem da oben und etwas wackelig, also bewege ich mich doch lieber wieder auf meinen eigenen zwei Beinen weiter. Wir kommen wieder an Hadijas Feld vorbei und laden ihre Ernte auf die Maultiere: einen großen Kürbis und einen Sack mit grünem Zeugs.

Die Moschee von Ifrane.
Die Moschee von Ifrane.
Mittagessen gibt's im Teezimmer im Haus, und danach wird alles Gepäck wieder auf die Maultiere geladen und es geht heimwärts, Richtung Taliwine, bzw. dorthin, wo Mahfoud uns mit dem Auto abholen wird. Wir verschenken die restlichen Kekse an Saina und den kleinen Mohamed, da wir immer noch vielzuviel Reiseproviant haben. Dann bezahlen wir Hadija (100 Dirham pro Person und Nacht kriegen die Dorfbewohner, bei denen wir schlafen, immer) und los! Nach Westen, am Nordrand der Schlucht entlang, die Landschaft zeigt sich nochmal von ihrer schönsten Seite. Gegen 15 Uhr erreichen wir das Dorf Ifrane, wo Mahfoud uns abholen wollte, aber er ist noch nicht da. Also gehen wir ihm entgegen. So haben wir auch nochmal Gelegenheit zu einer letzten Dattel-und-Kekse-Pause, mit phantastischer Fernsicht auf den Jbel Toubkal und die Kamelhöcker des Sirwa. Dann kommt Mahfoud mit dem Auto zum Pickup. Die Maultiertreiber haben es eilig, ihre Tiere zu entladen und weiterzukommen, denn sie müssen noch in ihre jeweiligen Heimatdörfer (Akhfamane und Ti-n-Iddr) zurück und werden dort sowieso erst zwischen Mitternacht und drei Uhr nachts eintreffen. Ein schnelles Abschiedsfoto und ein Trinkgeld für jeden, weg sind sie. Das Trinkgeld verschwindet schnell in ihren Burnussen; es ist hier wohl nicht Sitte, langes Aufhebens um Geschenke zu machen.

Fernsicht bis zum Sirwa und Toubkal.
Fernsicht bis zum Sirwa und Toubkal.
Abschiedsfoto mit Maultier.
Abschiedsfoto mit Maultier.
Die Rückfahrt nach Taliwine geht bei lauter Berbermusik schnell und vergnüglich vonstatten, und gegen halb sechs Uhr sind wir wieder in der Auberge Le Safran. Da müssen wir natürlich erst mal mit Mohamed und Mahfoud Tee trinken, noch bevor wir unser Gepäck auf's Zimmer bringen, geschweige denn duschen können. Ein dänisches Ehepaar, das wir heute Mittag in Ahmeds Haus bei ihrem Tagesausflug getroffen hatten, kann gar nicht fassen, daß nach sieben Tagen Trekking eine heiße Dusche nicht unsere erste Priorität ist! Mahfoud erklärt, daß wir zum Abschluß nochmal abends gemeinsam mit Mohamed kochen würden, und so machen wir uns dann doch erst mal auf den Weg zu unseren Zimmern und der Dusche. Diesmal haben wir es gut getroffen: wir schlafen in einem der Ecktürme des Hotels, ganz oben auf dem Dach! Phantastisch! Ich werde das Zimmer gar nicht benutzen, sondern direkt auf der Dachterasse unter den Sternen schlafen. Die Dusche ist in einem anderen Türmchen untergebracht, und es hat reichlich heißes Wasser. Gegenüber ist das Küchenhäuschen, und dann gibt es noch das kleine Zimmer, in dem wir schon am Abend vor der Tour mit Mahfoud gesessen hatten.

Unsere Hochzeitssuite in der Auberge Le Safran
Unsere Hochzeitssuite in der Auberge Le Safran

Mohamed kommt irgendwann ebenfalls frisch geduscht und umgezogen zum kochen, was natürlich wie immer ewig dauert: erst brutzelt die Tomatensoße stundenlang vor sich hin, dann die von Esther und mir professionell gerollten Hackbällchen, und dann noch die Eier, alles im Tajine-Topf. Währenddessen können wir schon mal eine Schale heiße Harira-Suppe essen, die aus der Hotelküche gebracht wird. Aber der ganze lange Kochprozess hat doch den Vorteil, daß wir uns nocheinmal lang und gemütlich utnerhalten können. Schließlich ist die Tajine fertig und wir essen sie stilvoll mit Brot statt mit Besteck. Haben wir super hingekriegt. Auch Mahfoud taucht wieder auf und ißt mit; er mußte zwischendurch doch auch mal nach seinen anderen Gästen schauen.

Mahfoud bereitet Tee
Mahfoud bereitet Tee
Wir unterhalten uns noch bis spät in die Nacht hinein über alles von Arganbäumen bis zu Hitler, erzählen Berber- und Italiener-Witze (Warum rühren Europäer, wenn sie Zucker in den Kaffe getan haben, rechts herum, und Araber dann links herum? — Auflösung folgt). Wir lernen auch, daß Europäer zwar die Uhr, aber Berber die Zeit haben. Offensichtlich, denn es ist kurz vor zwei Uhr nachts, als wir es schaffen, Mahfouds Redefluß lange genug zu unterbrechen, um uns ins Bett zu verabschieden.

Weiter nach Taroudant

Ausschlafen, bis die Sonne auf die Dachterrasse knallt. Nochmal duschen; die lange Unterwäsche und überhaupt der ganze Schlafsack riechen doch etwas müffelig, aber dafür hatte ich frische Nachtluft und Blick auf die Sterne. Gemütliches Frühstück mit Joghurt und Honig statt allzuviel Brot. Jeder im Haus kennt uns inzwischen und wir werden mit großem Hallo! bzw. Labaß! – Labaß, alhamdulilah! begrüßt. Vor unserer Weiterreise gehen wir nochmal ins Dorf, ein paar lebensnotwendige Dinge nicht erledigen, wie zum Beispiel kein Geld aus dem Automaten holen (Esther) und im Internetcafe das Flugticket für den Rückflug nicht ausdrucken (Ute). Dafür schaffen wir es, in einem Fotogeschäft ein paar Ausdrucke von unseren Fotos machen zu lassen, die wir Mohamed und Mahfoud geben, und auch ein paar für Sofia und Saina aus Mazwad, und wir schaffen es auch, dabei unsere SD-Karten mit einem schönen Computervirus verseuchen zu lassen... Zum Glück sind die Fotos hinterher alle noch da. In der Safran-Kooperative lernen wir was über den Anbau von Safran und wie die Kooperative Frauen unterstützt, damit sie den Safran besser vermarkten und mehr verdienen zu können. Natürlich auch an Touristen wie uns smiley

Zurück ins Hotel, es ist etwa halb eins. Mohamed wartet schon auf uns, er hat uns noch etwas Berbermusik kopiert. Wir trinken gemeinsam eine letzte Kanne Tee. Mahfoud organisiert uns ein Grand Taxi, das uns direkt am Hotel abholen und nach Taroudant fahren wird. So müssen wir nicht extra nochmal ins Dorf latschen. Allerdings dauert es eine Weile, bis das Taxi kommt, etwa eine Stunde, emik, emik, die Berber haben ja Zeit. Udn wir hier im Berberland auch. Das Taxi ist eigentlich voll, als es ankommt, aber wir quetschen mit tatkräftiger Hilfe aller Umstehenden unser Gepäck noch in den Kofferraum und uns zu den zwei Männern auf die Rückbank. Zum Glück dauert die Fahrt nur ein einhalb Stunden, bloß nicht verkrampfen.

In Taroudant hält das Taxi am Busbahnhof, und Dank des Stadtplans in Esthers Reiseführer finden wir das Hotel Roudana, das wir als zweite Wahl ausgesucht hatten, recht schnell. Unser Erste-Wahl-Hotel sieht von außen sowas von piekfein, exklusiv und voller ausländischer Touristen aus: den Kulturschock würden wir wohl nicht überleben. Im Roudana haben wir ein einfaches Zimmer mit (großer Vorteil) zwei getrennten Betten, Waschbecken auf dem Gang und Dusche und WC in kleinen Zimmerchen gegenüber. Da wir kein Mittagessen hatten (das hätte unseren Aufenthalt in Taliwine noch weiter verzögert), machen wir uns auf die Suche nach etwas Eßbarem. Gleich um die Ecke ist ein nettes Restaurant mit Sitzplätzen im Garten, es gibt Crepes mit Käse und schrecklich bitteren Tee, dem auch der viele Zucker nicht mehr zu helfen vermag.

Beim Schmuckhändler in Taroudant.
Beim Schmuckhändler in Taroudant.
Anschließend machen wir einen gemütlichen Bummel durch die Straßen und die Souks, Arganienöl und Orangenhonig brauchen wir natürlich unbedingt, und beim Schmuckhändler stellt sich raus, daß fehlende Sprachkenntnisse und ein Übersetzer für's Feilschen sehr nützlich sein können. Der Händler ist jedenfalls entzückt von seinen Kundinnen und wir von dem guten Preis, den er uns macht. Im Souk koennen wir live eine Sene aus einem James Bond Film beobachten: zwei Jungs auf einem Motorrad klauen von einem Stand im Vorbeifahren ein par Äpfel und werfen dabei den ganzen Stand um; alle Äpfel kullern auf die Straße, und der Ladenbesitzer kommt herausgelaufen, schimpft und rennt hinter dem flüchtenden Motorrad her. Wir gehen auch nochmal zum Busbahnhof und finden heraus, wann morgen welche Busse nach Marrakesch fahren; es gibt verschiedene Möglichkeiten, und wir entscheiden uns für einen, der um zehn Uhr abfährt. Schließlich sind wir im Urlaub und nicht auf der Flucht.

Was Vernünftiges zum Abendessen zu finden ist dann etwas komplizierter. Die Restaurants haben entweder eine viersprachige Speisekarte und jede Menge Touristen, oder es sitzen nur Männer darin (in der arabischen Welt gehen oft nur die Männer in Cafes und Restaurants). Schließlich finden wir einen "Moroccan Fast Food" Laden, in dem auch mehrere Familien sind. Wir werden selber frittiert riechen, wenn wir da wieder rauskommen, aber der Spieß und die Würstchen sind trotzdem lecker. Der Ober ist sehr redselig und textet Esther zu; zum Glück spreche ich ja kein französisch und wurde daher in Ruhe gelassen.

Die Betten im Hotel sehen mäßig sauber aus, gut, daß wir unsere Schlafsäcke griffbereit haben. Obwohl das Hotel direkt an der großen Moschee liegt, stört uns der Muezzin kaum, und auch von den restlichen Hotelbewohnern (hauptsächlich Marokkaner) hört man wenig. Nur ab und zu hört man aus dem Zimmer über uns Schritte, so laut und deutlich, als würde jemand in unserem Zimmer herumschleichen. Seht irritierend!

Weiter geht's mit NochmalMarrakesch.