Helvellyn
Im Lake District
11. - 14. Juni 2011.Kurze Zeit später haben wir unser Ziel, Glennridding am Ullswater, erreicht und das Auto in einer Seitenstraße abgestellt. Der offizielle Touri-Parkplatz soll 28 Pfund kosten!
Munter geht's die letzten Höhenmeter zum Stick's Pass und von da aus südlich über den Raise zum Lower Man, knapp unterhalb von Helvellyn. Hier gibt's ein zünftiges zweites Frühstück mit Brot und Ei. Dann geht's weiter zum Helvellyn, wo und zwei Jungs geschäftstüchtig zwei Tassen heißen Tee für 4 Pfund verkaufen — sie sammeln für eine Reise nach Südamerika. Der Hund von unseren Sitznachbarn — hier gibt es sogar richtige Steinbänke mit Windschutz — verteidigt sein Frühstück — matschiger Toast mit Wurst — wehement gegen alle anderen Hunde.
Am Grisedale Tarn vorbei,über Fairfield und Dove Crag geht's weiter. Inzwischen hat starker Regen eingesetzt, und auf den Gipfeln weht ein starker Wind. Beim Anstieg zum Red Screes, da kommt uns ein Pärchen entgegen. Sie erzählen, dort oben sei es zu windig zum zelten, und der Anstieg auf der anderen Seite wäre steil und bei Wind kein Vergnügen. Na gut, es ist erst 16 Uhr und eigentlich noch zu früh, um das Zelt aufzuschlagen, aber es wird tatsächlich immer windiger, je höher wir kommen. Es ist auch nicht klar, ob es auf der anderen Seite dieses Berges einen tollen Zeltplatz gibt, denn das Gebiet ist nicht mehr auf der Karte drauf, und die andere Karte hab ich im Auto liegen gelassen.
Es regnet wie Sau. Wir bauen das Zelt an einer vermeintlich windgeschützten Stelle auf. Aber der Wind ist hier trotzdem so stark, daß wir trotz des Regens beschließen, nochmal umzuziehen. Also schnell alles wieder einpacken, jetzt ist das Zelt natürlich innen und außen patschnaß. Dann wieder talwärts, dahin, wo wir hergekommen sind. Neben einer dieser vielen steinmauern und schon fast wieder am niedirgsten Punkt des Scandale Pass finden wir schließlich ein ebenes, nicht zu sumpfiges Plätzchen. In null komma nichts steht das Zelt wieder, und während ich Wasser koche, trocknet Vince das Zelt ab. Das Wasser läßt sich wirklich Zeit, obwohl die Kartusche ganz frisch ist, die haben wir gestern Abend erst gewechselt. Der Wind stört wohl. Schnell zwei Trockenmahlzeiten aufgegossen und aus dem restlichen Wasser einen Pfefferminztee, und dann ab ins Zelt! Unsere Regenjacken sind tropfnass und müssen leider draußen bleiben. Das warme Essen tut gut. Dann schnell ind die Schlafsäcke und wieder auftauen! Ich habe so gezittert, daß ich die tasse kaum ruhig genug halten konnte beim Trinken. Kann ja nur besser werden für morgen! Wir machen zwei Pläne, einen für gutes und einen für schlechtes Wetter.
Das Zelt hat die Nacht wesentlich besser überstanden als Vince, der sich im heftigen Sturm Sorgen um dessen Haltbarkeit gemacht hatte. Wir sind zwar ausgeschlafen, aber nicht unternehmungslustiger als gestern, denn alles, was man aus den kleinen Zeltfensterchen sieht, ist Nebel. Immerhin regnet es nicht mehr, so daß wir das Zelt nicht vollständig tropfnass einpacken müssen. Wir beschließen, die High Street High Street sein zu lassen und lieber runter ins Tal zu gehen — die High Street heißt so, weil die Römer vor 2000 Jahren lieber auf den Bergen unterwegs waren als im Tal, weil sie im Tal ständig Hinterhalte der lokalen Bevölkerung befürchten mußten, während sie auf der Hochebene immer alle Angreifer von weitem sehen konnten (außer bei Nebel, natürlich).
Über eine Farm am Rand von Patterdale kommen wir dann an den See Brother's Water, wo wir Mittagspause machen. Ob man das Seewasser trotzt Gänse- und was-weiß-ich-was noch für Rückständen trinken kann? Wir lassen es diesmal etwas länger kochen. Der (von Frank) selbstgemachte Kartoffelbrei schmeckt hervorragend, besser jedenfalls als der Pilz-Soja-Nudel-Mansch... allerdings hat letzterer den Vorteil, daß er in einem wiederverschließbaren Beutel ist, den man sich zum Warmhalten unter's Hemd an den Bauch halten kann. Beim Essen können wir eine Graugans-Familie mit 5 Gösseln beobachten, die ein paar Meter entfernt im Wasser und am Ufer herumplanschen (leider ein paar Meter zuviel für die Kamera).
Natürlich müssen wir auch noch ein paar Postkarten kaufen, und dabei begegnen wir Florentine, die wir natürlich nicht so einfach da sitzen lassen können. Noch schnell eine Tasse Tee und einer Tasse heiße Schokolade im Café... das macht schon beinahe zu, aber natürlich gebietet die englische Höflichkeit, daß wir nicht nur in Ruhe austrinken dürfen, sondern sogar noch durch netten Small-Talk unterhalten werden. Schließlich machen wir uns auf den Rückweg nach Durham. Immer wieder erstaunlich, wieviel Benzin in den Tank dieses kleinen Autos paßt, wir kommen noch glücklich bis zur Scotch Corner, und dann sind wir auch schon wieder in Durham. Abendessen im Fallen Angel — dummerweise sind die Burger hier abends ungefähr doppelt so teuer wie tagsüber, und man hat auch nicht so viel Auswahl, aber was soll's. Ziegenkäse als Vorspeise und Chocolate Toffee Pudding entschädigen dafür.
Fotos (c) Vincent Spallek 2011
