Toliara

Bald darauf ändert sich die Landschaft plötzlich, es ist bewaldet. Eine Gruppe Ringelschwanzlemuren sitzt mitten auf der Straße und entgeht nur knapp unserem Auto. Patrick sagt, sie warten auf Regen, da es im Wald zur Zeit sehr trocken ist. Die Straße führt jetzt mitten durch den Zombitse Nationalpark, der vor allem wegen einer bestimmten endemischen Vogelart angelegt wurde.



Abends bereiten wir uns auf den Rückflug nach Tana vor: alles, was nicht ins Handgepäck darf, wird in den großen Rucksäcken verstaut und dann ins Auto gepackt. Wir wollen nicht noch einmal ein verlorenes Gepäckstück riskieren. Dimbi fährt das Auto dann im Morgengrauen nach Tana zurück, während wir noch einen Tag in Toliara verbringen und übermorgen hinterher fliegen. Nach einer letzten kalten Dusche – die wievielte heute? Hier ist es wirklich schrecklich heiß und feucht -- gehen wir ins Bett und lassen Ventilator und Ohrstöpsel ihren Job machen.
Am nächsten Morgen sind wir nicht wirklich ausgeschlafen. Dafür ist dies der erste Tag auf der ganzen Reise, der kein "Programm" hat: kein Nationalpark muß besichtigt werden und keine stundenlange Autofahrt steht bevor. Um neun Uhr treffen wir uns zum Frühstück, es gibt hier Auswahl zwischen Petit und Continental Dejuner, und dazu noch Omlette oder Spiegelei. Frische Früchte sind allerdings nur auf Anfrage und nach einiger Wartezeit erhältlich, aber immerhin, wir kriegen drei Mangos. So wie es bei uns verschiedene Sorten Äpfel gibt, gibt's hier verschiedene Arten von Mangos, die sich durch Farbe und Geschmack unterscheiden (diese hier sind orange, die gestern waren grün). Patrick erklärt erst mal, wie man diese Dinger zivilisiert aufschneidet und ißt: die Dinger haben in der Mitte einen länglichen Kern, um den herum man das Fruchtfleisch außen in Streifen abschneidet. Irgendwie in der Theorie gut, aber alles ist hinterher voller Mangosaft.
Wir machen uns auf zu einem Stadtbummel. Da heute erstens Sonntag und zweitens Weihnachtsferien sind, haben praktisch alle Geschäfte einschließlich der Post geschlossen, und auch auf dem Markt ist fast nichts los. Die Sonne scheint erbarmungslos auf die Straßen, und es ist sowieso viel zu warm, um hier draußen herumzulaufen.



Wir gehen nun die Straße entlang zurück Richtung Innenstadt und suchen das erste schöne Restaurant, das eine Terasse direkt am Meer hat, um dort eine Weile im Schatten zu sitzen und was Kühles zu trinken. Die Hotels und Restaurants liegen alle zwischen der Straße und dem Strand. Hier ist es wirklich angenehm. Frank liest, und Patrick und ich schauen aufs Meer. Touristen werden mit Motorbooten zum Tauchen oder Schnorcheln an das Riff gefahren, und damit sie sich nicht die Füße naß machen, wenn sie in die Boote steigen, werden sie mit Zebu-Karren zu den Booten hinausgefahren.

Als wir so eine Weile dagesessen haben kommt mir die Idee, mir Zöpfe flechten zu lassen, wie sie hier viele Frauen und Mädchen haben. Bevor ich länger drüber nachdenken kann, hat Patrick schon an der Rezeption gefragt und arrangiert, daß eine Frau herkommt, die sich damit auskennt. Da das eine Weile dauert, bestellen wir in der Zwischenzeit was zu Essen, und das ist natürlich grad dann fertig, als die Frau kommt. Sie bringt ihren Mann als Übersetzer mit, denn sie kann kein Englisch. Außerdem muß er auf die kleine Tochter aufpassen, während sie mit meinen Haaren beschäftigt ist. Er stellt sie uns gans stolz vor: Sarah, fünf Monate. Seine Vorfahren kamen vor vielen Jahren aus Deutschland. Seine Frau ist sehr flink, es ist ganz erstaunlich, wie schnell sich ihre Hände bewegen. Als sie fertig ist mit flechten, geht ihr Mann nochmal los, um einen Haufen bunter Gummibänder zu kaufen, mit denen das Kunstwerk dann fixiert wird.

Anschließend gehen wir zurück in unser eigenes Hotel und verbringen da noch einen sehr ruhigen und entspannten Nachmittag (trotz der Temperaturen). Abends gehen wir wieder zu den Italiener, und nachdem Patrick gehört hat, daß es da auch große Portionen gibt, und weil ihm sein Essen von gestern Abend auf den Magen geschlagen ist, kommt er sogar mit. Die Eiszusammenstellung ist genauso merkwürdig wie gestern, das Pistazieneis schmeckt nach Erdnüssen, aber die Pizza und die Spaghetti sind 1a.


Hier ist es so warm, daß man beliebig oft duschen könnte – nach dem Aufstehen, bevor man ausgeht, wenn man heim kommt, bevor man ins Bett geht. Aber es ist auch das erste Mal, daß wir unbehelligt von Moskitos sind, was wohl zum Teil daran liegt, daß es draußen so warm ist, daß es gar keinen Sinn macht, die Balkontür zum lüften zu öffnen. Und vor dem Fenster ist ein Moskitonetzt. Im Zimmer läuft die ganze Zeit der Ventilator. Steifer Nacken durch Zugluft? Besser als im Schweiß ertrinken!
Da Patrick sich bis zum nächsten Morgen nicht nochmal meldet, scheint es mit dem späteren Flug seine Richtigkeit zu haben. Wohl weil heute Montag ist und alle heute arbeiten müssen statt die Nacht durch zu feiern, war es nachts verhältnismäßig ruhig. In ruhe frühstücken wir, nachdem wir schon recht früh aufgewacht sind. Dann nehmen wir ein Taxi zum Flughafen. Sollte es uns beunruhigen, daß der Tacho nicht funktioniert? Wohl kaum, denn eine überhöhte Geschwindigkeit kann diese Klapperkiste bestimmt nicht erreichen.
Wir kommen reichlich früh am Flughafen von Toliara
an. Patrick gibt sein Gepäck auf, und wir checken ein. Es stellt sich
raus, daß der Flug kein Direktflug ist, sondern daß wir in Morondava
zwischenlanden werden. Draußen am
Eingang ist es am kühlsten wenigsten heiß, im
Schatten des Gebäudes versammeln sich immer mehr Menschen, die auf den
Flug warten. Es geht ein leichter Wind. Nach etwa einer Stunde kommt
eine Durchsage, daß alle Passagiere wegen der Verspätung des Fluges
ein kostenloses Lunchpaket bekommen: ein Sandwich und ein gekühltes
Getränk. Mittagessen ist gesichert, hurrah! Am Flughafen gibt es einen
Souvenirshop, der sogar eine reiche Auswahl an Postkarten
anbietet. Frank kauft ein T-Shirt der "Maki Company". Briefmarken
haben wir aber noch immer keine.
Endlich ist es soweit, daß wir zum Gate dürfen. Dieser abgeteilte Raum hat alle 2m eine Hochleistungs-Klimanalage von der Größe eines großen Kühschrankes stehen, die auf 16°C eingestellt ist. Kurz bevor ich am Sitz festgefroren bin, dürfen wir nach draußen zum Flugzeug. Es ist eine turboprop Maschine mit etwa 80 Sitzplätzen. Wie bei Ryanair gilt freie Platzwahl. Wir sitzen vorne, fast direkt neben den Propellern.

Während Patrick sein Gepäck holt, wollen wir nochmal Geld wechseln, aber die Wechselstube hat keine Ariary mehr. Also müssen wir per Kreditkarte am Automaten Geld abheben. Der Automat gibt als größte Summe "nur" 200.000 Ariary auf einmal raus, das sind etwa 70 Euro. Wir würden auch ganz gern am Air France Schalter unseren Rückflug bestätigen lassen, das sollte man wohl unbedingt machen, aber der Schalter hat geschlossen (ebenso wie das Klo) und macht erst ab 16 Uhr auf. Als zehn nach Vier immer noch niemand in Sicht ist, geben wir es auf. Draußen erwartet uns Dimbi schon mit dem Auto und dem Gepäck. Auf in Tanas Verkehrschaos! Kurzer Zwischenstopp am Supermarkt zum Tanken und Wasser und Chips kaufen, weiter geht's. Irgendwo mitten in Tana setzen wir Dimbi ab. Die Sonne geht schon unter, als wir endlich die Grenzen der Stadt hinter uns gelassen haben, aber uns stehen noch ein paar Stunden Fahrt nach AndasiBe bevor...
Fast alle Fotos (c) by Frank Spychalski.
